Therapie im Schulalter

Der überwiegende Anteil unserer Klienten sind Kinder und Jugendliche im Schulalter. Die Kinder mit Frühkindlichem Autismus besuchen integrative Klassen in Bremerhaven oder Förderschulen in den angrenzenden Landkreisen. Kinder mit Asperger Syndrom werden in der Regel in regulären Grundschulen sowie weiter führenden Schulen unterrichtet. Zumeist außerhalb der Schulzeit nehmen sie bei uns an einer Einzeltherapie teil, bei manchen Klienten erfolgt zusätzlich ein gruppentherapeutisches Angebot. Üblicherweise werden in der Kennenlern- und Beobachtungszeit wöchentlich vier Therapieeinheiten durchgeführt, danach je nach Einzelfall 2-4 Therapieeinheiten pro Woche, gewöhnlich zu einer Doppelstunde zusammengefasst. Die therapeutischen Schwerpunkte bzw. Methoden richten sich nach den individuellen Fähigkeiten sowie der Form der autistischen Störung.

Bei Kindern mit Frühkindlichem oder Atypischem Autismus stehen folgende Therapiebereiche und Methoden im Vordergrund:
  • Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten
  • Bearbeitung der Interaktion im sozialen Bereich
  • Entwicklung von ´Theory of Mind`
  • Üben von Rollenspielen und 'so-tun-als-ob`-Spielen
  • Beschäftigung mit der eigenen Person (z. B. in Form eines „Ich-Buches”)
  • Kognitives Training
  • Wahrnehmungsförderung
  • Abbau von Verhaltensproblemen wie Selbst- und Fremdverletzung sowie Zwangsverhalten

"Theory-of-Mind" bedeutet die Fähigkeit, sich in die Gedanken, Gefühle, Absichten, Bedürfnisse, Ideen, Erwartungen und Meinungen einer anderen Person zu versetzen. Bei einer nicht vorhandenen Befähigung zur ´Theory-of-Mind` hat ein Mensch beispielsweise Probleme bei der Kommunikation, Empathie, Selbstreflexion, beim sozialen Miteinander sowie beim Verständnis und Befolgen sozialer Regeln.
Therapiemethoden sind kommunikative Verfahren wie PECS (Picture Exchange Communication), Gebärdensprache und Kommunikative Sprachtherapie.

Die Probleme bei der Handlungsplanung sowie kognitive Fähigkeiten werden beispielsweise auf der Grundlage von Teacch („Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“; dt.: „Behandlung und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbehinderter Kinder“) gefördert und behandelt.

Als weiteren wichtigen methodischen Schwerpunkt sehen wir unsere Arbeit in Anlehnung an die Verhaltenstherapie an. Für unsere Arbeit ist es außerordentlich wichtig ist, dass die Klienten sehr motiviert an der Therapie teilnehmen. Dies erreichen wir durch Maßnahmen aus dem verhaltenstherapeutischen Setting wie Lernen in kleinen Schritten, Hilfen, positive Verstärkung (durch Lob, beliebtes Spielzeug, Snacks), Ignorieren von unerwünschtem Verhalten usw.

Weitere Methoden wie Elemente aus der Sensorischen Integrationstherapie, Psychomotorik oder der Affolter-Methode kommen im Bedarfsfall zur Anwendung und dienen insbesondere der Wahrnehmungsverbesserung, d. h. zur Veränderung der Eigenwahrnehmung durch das Kind.
Pecs–Methode: Bei dieser Methode lernt das Kind zunächst, ein Foto oder Piktogramm für einen Gegenstand an die Bezugsperson zu übergeben, den es gern bekommen möchte. Anfangs sind zwei Therapeuten notwendig, um dem Kind die erforderliche Hilfestellung zu geben. In den nächsten Schritten wird mit ihm geübt, sich verschiedene Dinge auf diese Art und Weise zu wünschen und die unterschiedlichen Abbildungen hierfür zu erkennen. Auf einem höheren Niveau kann das Kind mit einer Kommunikationstafel oder einem entsprechenden Buch kommunizieren und sogar kurze Sätze bilden.

Die besonderen Probleme der Kinder mit Frühkindlichem Autismus im Schulalter

Bei Kindern im Schulalter werden die Probleme sowie Entwicklungsbeeinträchtigungen im Vergleich zu Gleichaltrigen deutlicher, Verhaltensprobleme nehmen manchmal zu. Durch die therapeutische Begleitung im Vorschulalter ist bereits eine gute Basis geschaffen worden, die neue Entwicklungen zulässt. Gemeinsam wurden Ziele formuliert und Wege zu deren Erfüllung gefunden. Jetzt erfolgten die Bestimmung von Fernzielen und der Ausbau bestimmter Fähigkeiten. Für die betroffenen Kinder beginnt eine Zeit der zunehmenden Klarheit. Wahrnehmungsprobleme und Veränderungsängste werden häufig geringer, das Interesse an anderen Kindern kann zunehmen. Auf der anderen Seite erkennen die Kinder zunehmend ihre eigenen Unzulänglichkeiten, was manchmal auch zu Verzweiflung und in der Konsequenz möglicherweise zu Verhaltensproblemen führt.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Asperger Syndrom werden folgende Ziele verfolgt:
  • Anregung von Lernprozessen zur eigenen Lebensperspektive
  • Ermunterung zur Analyse und Organisation eigener Denkprozesse
  • Kommunikation mit anderen Menschen („Small Talk“)
  • Erklären von Metaphern und Redewendungen
  • Üben von Prosodie (Betonung, Rhythmus und Tonhöhe von Sprache)
  • Aufbau einer Beziehung und des Gefühls für Vertrauen
  • Wahrnehmung eigener und fremder Gefühle
  • Hilfe dabei, Emotionen zu erkennen, zu verstehen und selber auszudrücken
  • Kennen lernen und Einsatz sozialer Regeln
  • Reflexion des eigenen Verhaltens gegenüber anderen Menschen
  • Vorbereiten auf Freundschaften
  • Bewältigung von Alltagsproblemen
  • Verhalten in der Öffentlichkeit (Schwimmbad, Museum, Kino etc.)
  • Umgang mit Ängsten, Zwängen, Depressivität (Bearbeitung Komorbidität)

Als hauptsächliche Methoden werden angewandt:
  • Gespräche
  • Visualisierung
  • Social Stories
  • "Theory-of Mind"-Training
  • Sozialtraining
  • Rollenspiele
  • Ansetzen an Spezialinteressen
  • Gruppentherapie
  • Körpertherapeutische Verfahren


Beispiel für eine "Social Story" zum Thema: Spielpartner

  • Manchmal kommt ein Freund zu mir zum Spielen nach Hause.
  • Manche Spielsachen sind für mich besonders wichtig.
  • Es ist o.k., wenn ich sie wegräume, bevor er kommt.
  • Es ist freundlich, ein paar Spielsachen auszuwählen, mit denen wir dann spielen können.
  • Dabei können mir Mama oder Papa helfen.
  • Wenn mein Freund nach Hause geht, bleiben diese Spielsachen bei mir.
Grundprinzipien der therapeutischen Prozesse bei Kindern und Jugendlichen mit Asperger Syndrom
  • Aufnahme einer warmen, freundlichen Beziehung
  • Unbedingte Akzeptanz
  • Atmosphäre des „Gewährenlassens“
  • Wachsamkeit für Gefühle, Reflexion dieser
  • Unterstützung bei eigenen Lösungsversuchen
  • Nur Grenzsetzung, wo notwendig (z.B. Verankerung in der Wirklichkeit)


 
 
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